Borgward Route 66 in der Presse

Weser Kurier Bericht vom 05.07.2017

Im Borgward von Küste zu Küste

Mit der Isabella auf der Route 66

von Lisa Boekhoff - 05.07.2017

 

Bremen Borgward Thilo Kugel

8000 Kilometer will Thilo Kugel mit seiner Isabella (oben) durch die USA reisen. Auf dieser Karte hat er seine geplante Route dargestellt. (frei / Thilo Kugel)

In seiner Isabella will der Bremer Thilo Kugel mit anderen Borgward-Oldtimern auf der Route 66 fahren, von New York bis Kalifornien. 8000 Kilometer wollen sie in ihren Schmuckstücken bewältigen.

 

Für ein Schmuckstück ist die Isabella eigentlich etwas zu groß. Wertvoll, elegant und ein Hingucker ist sie jedoch ohne Zweifel. „Sie ist ein Juwel“, sagt Thilo Kugel über seinen Wagen. Vor sechs Jahren hat der Bremer das Coupé gekauft. „Die Nachbarskinder fragten damals, was das denn für ein Schrotthaufen sei“, erinnert er sich.

3. Teufelsmoor-Klassik
Thilo Kugel hinterm Steuer seiner fast 60 Jahre alten Isabella. (MILENA SCHWOGE)

Doch Thilo Kugel war schon damals begeistert – trotz der Beulen, trotz des Rosts. Der 55-Jährige hat mit seiner Isabella in diesem Herbst Großes vor: Zusammen mit anderen Borgward-Oldtimern will er auf der Route 66 fahren, von New York bis Kalifornien, von Küste zu Küste.

Insgesamt 13 Fahrer aus Deutschland, Belgien und Großbritannien sind bei der Tour dabei. Kugel ist der einzige Teilnehmer aus Bremen. So ganz ist seine Isabella auf das einmonatige Abenteuer noch nicht vorbereitet. Im Moment ist sie in der Inspektion, um fit für die Tour zu sein.

Mit einem Briten und einem Belgier

Kleine Anpassungen sind noch nötig bei einigen der Oldtimer. Sicherheitsgurte müssen nachgerüstet werden und Kopfstützen. Die gab es noch nicht, als Borgward die Autos in Bremen herstellte. Damit die 8000 Kilometer lange Strecke bequem verläuft, ließ Kugel außerdem die Sitze austauschen. „Natürlich haben sie dieselbe Farbe. Das fällt kaum auf.“

Seit etwa zwei Jahren plant Thilo Kugel die besondere Reise zusammen mit einem Briten und einem Belgier. Die Drei trafen sich 2015 auf dem „Borgward World Meeting“ in Bremen. Kugel schließt sich damals spontan den zwei Initiatoren der Route 66-Tour an.

Als sie hören, dass er in der Logistik arbeitet, ist schnell klar, welche Aufgabe er bekommt: die Überfahrt der Autos zu organisieren. „Das ist im Vergleich leider auch die größte Aufgabe“, sagt der Bremer. Als Niederlassungsleiter für den Bereich See- und Luftfahrt in Bremen beim Logistikunternehmen Dachser hat Kugel Erfahrung mit logistischen Herausforderungen.

"Alle Autos sollen gleichzeitig ankommen"

Die Fracht allerdings ist besonders. Zum Beispiel müssen die Hafenarbeiter vor Ort genau wissen, wie die Lenkradschaltung der Oldtimer überhaupt funktioniert. Für die Einfuhr und den Zoll muss alles genau dokumentiert werden, eine Fahrerlaubnis für die Oldtimer vorliegen. „Das ist ein riesiger Aufwand. Wir sind alle berufstätig. Im Prinzip machen wir das nachts.“

Am 22. August werden die sieben Autos aus Deutschland in Bremerhaven auf die Reise gebracht. „Dann weinen wir den Autos feierlich noch eine Träne nach“, sagt Kugel. 15 Tage dauert es, bis sie den Atlantik per Schiff überquert haben. Im belgischen Seebrügge stoßen noch die Borgwards der anderen Fahrer dazu. „Alle Autos sollen gleichzeitig ankommen, damit wir zusammen in New York starten können. So soll das sein.“

Von dort geht es Mitte September zunächst zu den Niagarafällen und weiter nach Chicago zum Anfangspunkt der legendären Strecke. Mitte Oktober will die Gruppe in Santa Barbara sein. Dort treffen sich dann die Liebhaber der Klassiker zum diesjährigen „Borgward World Meeting“. Kugel: „Da sind wir die Stargäste.“

Man kennt und hilft sich

Dass seine Isabella überhaupt starten kann, ist nicht selbstverständlich. Mehr als viereinhalb Jahre dauerte es, den Wagen aus dem Baujahr 1959 komplett zu restaurieren. „Der Wagen war nicht mehr fahrbereit.“ Doch die Isabella sei vollständig gewesen, das sei entscheidend. „Wie will man schließlich an Ersatzteile für ein Auto kommen, das seit 56 Jahren nicht mehr gebaut wird?“

Kugel baute seine Isabella bis auf die Einzelteile auseinander. In der Szene der Borgward-Liebhaber kennt man sich und hilft. Deshalb habe er seinen Oldtimer, der zwei Jahre älter ist als er selbst, nicht allein wieder zusammenbauen müssen. An die erste Fahrt mit dem Auto erinnert Kugel sich gar nicht mehr besonders, doch an den Moment, in dem der Motor nach mehr als 30 Jahren wieder lief.

„Das war beeindruckend. Er ist gleich beim ersten Mal angesprungen.“ Auf der Route 66 kommt die Isabella an den Ort zurück, der 30 Jahre ihre Heimat war: Kalifornien. Im sonnigen US-Staat habe das Auto wenig unter der Witterung gelitten, sagt Kugel. Der Oldtimer ist für ihn deshalb besonders wertvoll – ein Juwel eben.

Die Marke ist Kulturgut

Ab 1988 war der Wagen in Amerika zugelassen. Kugel hat sogar noch das kalifornische Nummernschild. Später kam das Coupé nach Europa zurück. Doch der Sammler, der es eigentlich restaurieren wollte, geriet in die Insolvenz und seine Isabella damit in die Konkursmasse. Schließlich kaufte Kugel den eleganten Borgward.

Die Marke ist für ihn Kulturgut. Ihm ist wichtig, dass auch jüngere Generationen sie schätzen. In einem Blog wollen die Teilnehmer der „Borgward goes USA“-Tour ihre Erlebnisse bis Santa Barbara festhalten. Es wird nicht die letzte große Tour für Kugels Isabella gewesen sein.

Laut Tacho sei sie 160.000 Kilometer gefahren. Da sei mindestens das Dreifache möglich, sagt er. „Absolut. Die Motoren sind sehr robust. Der Wagen hat noch ein langes Leben vor sich.“ An die Erstzulassung des Autos im April 1959 erinnert das Kennzeichen bis heute.

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